Wie ich erfuhr was ich bin, Mosaik des Herzens.

ReflexionWehrdienstzeit, der Opa ist krank, du darfst nicht verweigern. Atomraketen, verbrannte Erde: Stuttgart erlischt. Die Tante nur noch ein Schattenriss, auf geschmolzenem Beton. In jener Zeit begleitet mich das kleine Büchlein „Mosaik des Herzens“ im Handschuhfach meines Autos.
Ostern – Welt in sonnigem Weiß – die Kaserne ruft. Heute fahre ich über Höchenschwand, da kenne ich einen Wanderweg mit einer holzig-warm besonnten Bank vor einer kleinen Kapelle.

Wird der Weg wohl freigeräumt sein? Parkplatz, Aussteigen mit Buch und Tabak, ein toller Tag.
 

Da stand sie, die fremde Frau in Schwarz mit Gehstock. Vor ihr ein Hauch von arktischer Glätte auf dem Weg. Sie schien unschlüssig zu sein und ich bot ihr meinen Arm an. Ein Schwarzwälder ist mit Schnee aufgewachsen, sagte ich ihr. 

Gern nahm sie meinen angebotenen Arm und auch als das arktischer Eis in pulvrigen Schnee überging, waren wir noch zusammen, Jung und Alt und dazwischen 80 Jahre.

 
Wir kamen ins Gespräch und sie kannte Zenta und auch Mosaik des Herzens. Während des gesamten Spazierganges begegnete uns keine Menschenseele, die Natur war da, der Wind kuschelte im Haar, die Sonne lächelte auf der Nase und Schneewirbel tanzten uns um die Beine. Ein perfekter Spaziergang und ein tolles Gespräch und ich verstand das Mosaik des Herzens schon mehr. War glücklich, so früh aufgestanden zu sein.
Am Ende des Wanderweges fragte die Frau mich: Sind sie Pantheist? Ich wusste nicht, was das ist und sie erklärte es mir. Ja, das gefiel mir, als ich vom Parkplatz fuhr, war ich richtig aufgedreht.
Noch heute bin ich glücklich, denke ich an diese Wanderung zurück.
Ja und manchmal, da denke ich, oh wir kennen uns schon seit Ewigkeiten.
 

Zum Eingang

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.